Archiv: Pressespiegel - Viel Lärm um nichts
Quelle: Bericht aus den Aachener Nachrichten vom 25. Mai 2009

"Viel Lärm um nichts": Poetischer Anfall begeistert sein Publikum mit Shakespeare. Bis in die kleineren Rollen bestens besetzt.

Aachen. Der Poetische Anfall, studentische Theatergruppe der RWTH, spielt in diesem Jahr Shakespeares Komödie "Viel Lärm um nichts". Nun ist - wenn Amateure Shakespeare spielen - allemal Skepsis angezeigt, aber die Premiere des Stücks im Theatersaal der Mensa in der Turmstraße war ein voller Erfolg, der sich in begeistertem Beifall dokumentierte.

Es ist höchst erfreulich, wie die junge Truppe - das Durchschnittsalter liegt deutlich unter 25 Jahren - die schwierige Aufgabe löst. Denn neben dem Problem der Interpreation - wie setze ich das Stück um - gilt es, immerhin 21 Rollen zu besetzen.

Das brint die Schauspielschar personell an die Grenzen und ist auch der Grund dafür, dass in genauer Umkehrung der Verhältnisse zu Shakespears Zeiten Männerollen mit Frauen besetzt werden müssen.

Vorbildlich bewältigt der Poetische Anfall den Spagat zwischen dem puren und unverfälschten Shakespeare und dem, was man landläufig als Regietheater bezeichnet. So lebt das Stück von einer Vielzahl liebenswerter und durchaus beachtlicher Einfälle, ohne in irgendwelche Manieriertheiten zu fallen. Hier sei nur die Maskenball-Szene aus dem ersten Akt genannt, die vortrefflich mit Elementen des Schwarzen Theaters spielt. Auf diese Weise gelingt es der Laienschar, die unter der Regie von Henriette Alert spielt, Bestandteile des traditionellen Theaters mit Boulevard und Revue überzeugend zu mischen.

Auch die schauspielerischen Leistungen können sich sehen lassen, was besonders dann zum Tragen kommt, wenn Shakespeares Stück den Wechsel vom Heiteren und Beschwingten zum Ernsten und Tragischen verlangt. So wirk es durchaus beklemmend, wenn Claudio (Christoph Schulze) in Beisein seines Bruders, des Prinzen Don Pedro (Thomas Zejewski), seine Verlobte Hero (Dinah Frohnert) während der Hochzeitszeremonie, mit ihrer angeblichen Untreue konfrontriert und sie ihrem Vater Leonato (Lars Temme) "zurückgibt".

Weitere herausragende Momente sind die Rededuelle zwischen Benedikt (Frithjof Schaefer) mit seinem lockeren Mundwerk und der ebenso kratzbürstigen wie schlagfertigen Beatrice (Anneke Damberg). Letztlich aber werden die beiden doch ein Paar. Ganz schön finster und hintertrieben kommt Don Juan, der Bastard (Jennifer Arps), daher. Eine Schau für sich ist der Wachtmeister Holzapfel (Maren Thore).

Dass man auch aus einer ganz simplem Rolle, die im Personenverzeichnis als "Busch, eine Pflanze" bezeichnet wird, viel machen kann, zeigt Keno Maywald, ohne auch nur ein Wort Text zu haben. Stellvertretend für die vielen anderen ausgezeichnet besetzen kleineneren Rollen seien hier noch die beiden hellwachen und keineswegs devoten Tofen Margarethe(Katrin Herle) und Ursula (Eva Nebel) genannt.


Quelle: Bericht aus der AN-Online vom 24. Mai 2009 (Gekürzte Version)

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